Ein Tag im Waisenheim

Vom Geheimnis der Zufriedenheit:
Die Kinder sind glücklich über die neuen Räume.

Zwei Praktikantinnen haben mehrere Monate in unserem Waisenheim gearbeitet und schildern ihre Beobachtungen:

In Indien taucht man in eine völlig andere Welt ein. Wir wollen versuchen, einen kleinen Einblick in unser Praktikum im Waisenheim Ashraya zu geben. Unser Tagesablauf beginnt morgens um 7 Uhr. Das Geschrei der Kinder weckt uns oft bereits um 6 Uhr. Jedes Kind will morgens am liebsten einzeln begrüßt werden.

Es ist hier ein großer Luxus, ein eigenes Bad zu haben. Wir dürfen dieses Vorrecht genießen. Die Mädchen teilen sich mit ca. 25 Personen eine Toilette. Die Jungs mit ca. 40 Personen eine andere. Fließendes Wasser gibt es nicht immer. Doch wir lernen immer mehr, erfinderisch zu sein.

Um 8 Uhr beginnt die kurze tägliche Morgenandacht mit Musik. Dann frühstücken wir. Die Kinder kommen der Reihe nach zum Topf, um sich ihre Portion bei uns abzuholen. Nicht jeder hat seinen eigenen Teller. Deswegen müssen einige warten, bis z.B. ihre Geschwister fertig gegessen haben, um dann auch essen zu können. Sie essen sehr große Portionen, da sie zwischendurch selten etwas bekommen und die Kräfte brauchen. Meistens besteht das Essen aus viel Reis, etwas Gemüse und viel Chili. Dies war für uns am Anfang ziemlich gewöhnungsbedürftig. Doch man benötigt die Vitamine.

Um 10 Uhr beginnt der Unterricht. Da die Kinder aus unterschiedlichen Kasten kommen, besuchen sie auch unterschiedliche Schulen. Doch das scheint ihnen nicht viel auszumachen. Sie spielen trotzdem gerne zusammen.

Wenn die Kinder von der Schule nach Hause kommen, werden sie einzeln unter einem Gartenschlauch gewaschen (es ist ja heiß hier). Der Reihe nach werden sie eingeseift und mit kaltem Wasser abgespült. Danach erledigen sie kleinere Aufgaben wie Wäsche waschen, die Zimmer kehren, Gartenarbeit usw. Sie sind sehr selbstständig und machen dies ohne zu murren.

Zwischen 18 Uhr und 19 Uhr werden die Hausaufgaben gemacht. Jeder weiß genau, was er zu tun hat. Um 20 Uhr wird dann noch einmal gemeinsam gegessen. Danach beginnt die Schlafenszeit. Die Kinder liegen auf dünnen Bastmatten auf dem Boden, manche müssen sich zu mehreren eine Decke teilen. Aber das scheint sie nicht zu stören. Manchmal wacht eines der kleinen Kinder nachts auf und weint nach seinen Eltern. Nicht alle Kinder sind Waisen. Einige haben entweder einen Vater oder eine Mutter, die aber so arm sind, dass sie sie nicht versorgen können.

Die Kinder, die hier im Heim aufwachsen, sind mit ihrem Leben wirklich zufrieden. Nie wird über das Wetter geklagt. Sie sind sehr freundlich, immer hilfsbereit und höflich. Es würde vielen Menschen aus Deutschland gut tun, für eine Zeit in Indien zu leben, um hier von den Menschen zu lernen.

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